Mehr Qualität statt Exklusivität

Letzte Woche machte folgende Geschichte die Runde: Die SP wollte dem TagesAnzeiger exklusiven Zugang zu ihrem Mittelstandspapier geben – aber nur unter der Bedingung, dass ein SP-Vetreter dafür ein grosses Interview dazu geben darf. Der TagesAnzeiger weigerte sich und die SP ging mit ihrer Geschichte zum “Sonntag” (Artikel im Tagi).

Nun ist es nichts Neues, dass Politiker mit Geschichten hausieren und den Journalisten Exklusivität versprechen, wenn diese dafür gross aufgemacht wird. Speziell an diesem Fall ist vielleicht noch, dass sogar die Form der Geschichte (Interview und nicht Bericht mit möglichen Gegenstimmen) diktiert werden sollte.

Ein Stück weit leben nicht nur Politiker sondern auch Journalisten von diesem Spielchen. Seit dem Aufkommen der Sonntagspresse ist dieses Phänomen noch verstärkt worden. Das Problem dabei: Geschichten, die unter “normalen” Kriterien maximal eine Randnotiz wert gewesen wären, kommen so zu teilweise unglaublicher Prominenz. Oft leidet darunter auch die Qualität beziehungsweise Ausgewogenheit einer Geschichte.

Was dahinter steckt, ist der Wettlauf der Medien nach exklusiven Geschichten. Daran messen sich gerade Journalisten, aber auch Chefredaktionen, untereinander sehr gerne. Doch welchen Mehrwert hat der Leser von einer exklusiven Geschichte tatsächlich? Wenn diese relevant ist, greifen die anderen Medien sie spätestens am nächsten Tag ebenfalls auf. Bei politischen Geschichten ist die Aktualität selten von ein paar Tagen abhängig. Wieso also dieser Wettlauf, der die Journalisten abhängig macht von der Gunst der Politiker und gleichzeitig eine ausgewogene Berichterstattung gefährdet?

Zudem heisst der Exklusivitätsgedanke auch, dass eine Geschichte möglichst schnell veröffentlicht werden muss. Entsprechend bleiben tiefer gehende Recherchen und Hintergründe, andere Aspekte, Gegenstimmen sowie eine journalistische Einordnung öfter auf der Strecke. Ist es wirklich das, was die Leser wollen? Insbesondere bei einer Zeitung, für die sie bezahlen?

Mein Vorschlag wäre ein anderer: Statt übermässig auf Exklusivität zu setzen und dabei Unabhängigkeit und Sorgfalt aufs Spiel zu setzen, sollten Redaktionen und Journalisten ihren Fokus vermehrt auf Qualität, Ausgewogenheit, Recherche und auf eine journalistische Einordnung des Geschehens legen. Ich bin ziemlich sicher, dass die Leserschaft einer Bezahlzeitung das entsprechend goutieren würde.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s