19 der letzten 100 Arena-Sendungen hatten den Bundesrat bzw. die Bundesratswahlen zum Thema. Bei diesen inhaltlslosen Sendungen geht es selten um politische Probleme und Lösungen, sondern um ein reines Schaulaufen der Parteien. Auch bei den restlichen Themen war die Auswahl ziemlich beschränkt.
Es gab in letzter Zeit öfter Kritik an der Arena des Schweizer Fernsehens. Für mich persönlich gibt es vor allem zwei Dinge zu kritisieren. Erstens, die Versuchsanlage der Diskussion selber, die dazu führt, dass die Parteienvertreter mit Schlagworten und eingübten Statements um sich werfen können, ohne tatsächlich hinterfragt zu werden. Eine wirkliche Diskussion, bei der die Argumente gegenseitig überprüft, analysiert und gegebenenfalls widerlegt werden, findet nicht statt.
Man kann der Arena attestieren, wenigstens auf eine unterhaltsame Art und Weise Politik zu präsentieren und damit Leuten Politik näher zu bringen, die sich sonst gar nicht damit beschäftigen würden.
Wenn man aber die Themenauswahl anschaut, und dies ist mein zweiter Kritikpunkt, staunt man ob der Einfältigkeit der Arena. Fast ein Fünftel der letzten hundert Sendungen (19 Prozent) drehten sich ums Thema Bundesrat und Bundesratswahlen. Allein bei der letzten Wahl waren es 5 (!) Sendungen. Bei diesen Sendungen geht es lediglich um ein Schaulaufen der Parteien und um Machtgeplänkel. Inhaltliche Diskussionen zu tatsächlichen poliltischen Problemen: Fehlanzeige.
Auch bei den restlichen 81 Sendungen ist die Themenauswahl nicht viel besser: 10 Sendungen drehten sich um das Thema Ausländer / Migration. Dabei sind die 15 Abstimmungsarenas nicht mitgezählt. 9 Sendungen hatten die Themen Boni / Abzocker / UBS als Inhalt. Die 7 Sendungen zu Bankgeheimnis und Finanzkrise nicht mitgezählt.
Weitere 5 Sendungen beschäftigten sich mit dem Thema Gewalt / Jugendgewalt / Kuscheljustiz.
7 Sendungen schufen Pseudo-Themen wie ”Parteien im Umbruch”, “Ist das Volk käuflich?”, “Am Volk vorbei”, welche ebenfalls in der reinen Selbstdarstellung der Parteien enden.
Bleiben ganze 35 Sendungen, welche sich mit anderen aktuellen politischen Problemen beschäftigten, allein 7 davon zum Dauerbrenner Finanzkrise / Bankgeheimnis (dazu noch die erwähnten 9 Sendungen zu Boni / UBS). Darunter auch wahnsinnig relevante Themen wie “Guantanomo-Häftlinge für die Schweiz?” oder “Der Fall Polanski”.
Alles in allem also eine sehr einfältige Themenauswahl. Das Parteienhickhack und Schwarz-Weiss-Themen stehen im Vordergrund. Themen, wie zum Beispiel die Energieversorgung der Zukunft oder die langfristige Finanzierung unserer Sozialwerke, bleiben weitgehend auf der Strecke. Darf man von einem gebührenfinanzierten Sender wirklich nicht mehr erwarten?
Hier die Übersicht:
- 19 % zum Thema Bundesrat / Bundesratswahlen, bei der letzten Wahl waren es 5 (!) Sendungen, bei der vorletzten 4, bei der vorvorletzten ebenfalls 4; dazwischen noch zweimal das Thema “Schwacher Bundesrat” und zweimal “Der/die neue Bundespräsident/in”
- 15 % sind Abstimmungarenas, also Muss-Themen
- 10 % zum Thema Ausländer / Migration / Integration (ohne die Abstimmungsarenas)
- 9 % zum Thema Boni / Abzocker / UBS (ohne Finanzkrise und Bankgeheimnis)
- 5 % zum Thema Gewalt / Jugendgewalt / Kuscheljustiz
- 7 % konstruierte Themen wie “Am Volk vorbei?”, “Parteien im Umbruch”, “Ist das Volk käuflich?”,”Top Themen 2009″ etc.
- 35 % andere aktuelle Themen (davon allein 7 zu Finanzkrise und Bankgeheimnis)